Leitungswasser-EC: ab wann du eine Osmoseanlage brauchst
Viele messen ihr Leitungswasser und sehen 0,6, 0,8, manchmal über 1,0 mS/cm – und wundern sich dann über pH-Drift, verbrannte Spitzen und Werte, die nicht zusa…
Unter meinen Videos taucht eine Frage immer wieder auf: „Ich mache alles wie du, und trotzdem hat die Pflanze Probleme." Wenn ich dann nach dem EC des Leitungswassers frage, kommt oft 0,7. 0,9. Manchmal über 1,0. Und damit ist ein großer Teil der Probleme schon erklärt, bevor wir über Dünger, Licht oder Klima reden. Diese eine Zahl steht am Anfang jeder Nährlösung – und wenn sie nicht stimmt, stimmt danach nichts mehr richtig. 🌱
Was die Zahl überhaupt bedeutet
EC heißt elektrische Leitfähigkeit. Reines Wasser leitet praktisch keinen Strom. Alles, was darin gelöst ist – Salze, Mineralien, Dünger –, lässt es leiten. Je mehr gelöst ist, desto höher die Zahl. Gemessen wird in Millisiemens pro Zentimeter, und weil jeder Hersteller eine andere Skala mag, hier einmal die Umrechnung: 0,5 mS/cm = 500 µS/cm = 250 ppm (500er-Skala) = 350 ppm (700er-Skala). Wenn dir jemand einen ppm-Wert nennt, frag immer, welche Skala. Sonst redet ihr aneinander vorbei.
Zur Einordnung: Regenwasser liegt bei etwa 0,02 bis 0,05. Osmosewasser genauso. Leitungswasser in Deutschland liegt je nach Region zwischen 0,2 und 1,2 – Küste und Mittelgebirge oft weich, Kalkregionen wie große Teile von Bayern, Niedersachsen oder das Münsterland richtig hart.
Um deinen Wert zu kennen, brauchst du einen EC-Messstift. Achte auf automatische Temperaturkompensation – die EC steigt mit der Temperatur, und ohne Kompensation misst du im kalten Winterwasser zu wenig. Mein Tipp, gut und günstig: das Apera EC20 (Affiliate-Link), kommt als Set im Koffer. Damit misst du dein Leitungswasser, später dein Osmosewasser – und ob die Membran noch gut ist.
Und jetzt der Punkt, der alles entscheidet: Die EC sagt dir, wie viel gelöst ist – aber nicht, was. Dein Dünger ist gelöstes Salz, und dein Leitungswasser ist auch gelöstes Salz. Der Messstift kann die beiden nicht auseinanderhalten. Im Leitungswasser stecken hauptsächlich Calcium und Magnesium (das ist der Kalk), Hydrogencarbonat (die Karbonathärte), Natrium, Chlorid, Sulfat und ein bisschen Nitrat. Davon kann die Pflanze Calcium und Magnesium gebrauchen – im falschen Verhältnis und in unbekannter Menge. Der Rest ist Ballast.
Warum 0,8 aus der Leitung nicht einfach „0,8 Dünger gespart" ist
Das ist der häufigste Denkfehler: „Mein Wasser hat 0,8, dann brauche ich eben weniger Dünger." Nein. Es sind drei getrennte Probleme, und jedes für sich reicht schon.
1. Du düngst blind
Sagen wir, du willst mit 1,6 füttern. Dein Wasser hat 0,8. Jetzt hast du zwei Möglichkeiten, und beide sind falsch. Entweder du düngst auf, bis der Stift 1,6 zeigt – dann hast du 0,8 Dünger drin und 0,8 unbekanntes Zeug. Die Pflanze bekommt die Hälfte von dem, was du glaubst. Sie hungert bei perfektem Messwert. Oder du gibst die volle Düngermenge dazu, wie es auf der Flasche steht – dann stehst du bei 2,4, die Spitzen brennen, die Pflanze trinkt weniger, und alle sagen dir „Überdüngung", obwohl du genau nach Tabelle gearbeitet hast.
Die Zahl, nach der du steuerst, lügt in beiden Fällen. Was du wenigstens tun kannst: EC nach dem Düngen minus EC vorher = was du wirklich zugegeben hast. Das ist nicht ganz exakt, aber es ist der Unterschied zwischen blind und halbblind.
2. Karbonat zieht den pH hoch – jeden Tag aufs Neue
Hartes Wasser hat viel Hydrogencarbonat, und das ist ein Puffer. Ein Puffer wehrt sich gegen jede Änderung. Du stellst deinen Tank auf pH 5,8, am nächsten Morgen steht er bei 6,5. Also gibst du pH-Minus nach. Die Säure neutralisiert das Hydrogencarbonat – und aus der Säure wird dabei wieder Salz, das im Tank bleibt und die EC hochtreibt. Du kämpfst also gegen dein eigenes Wasser und bezahlst mit EC.
Im Substrat geht das weiter. Jeder Schuss bringt frisches Karbonat mit, der pH in der Wurzelzone wandert nach oben, und ab pH 6,5 werden Eisen, Mangan und Phosphor schlecht verfügbar. Die jungen Blätter werden gelb, alle rufen „Eisenmangel", du gibst mehr Dünger – und die EC steigt weiter. Der Mangel war nie ein Mangel, es war der pH. Und weil Calcium bei hohem pH mit Phosphat ausfällt, setzen sich obendrein deine Tropfer zu. Wer mit Tropfbewässerung und hartem Wasser arbeitet, kennt die weißen Krusten.
Als Faustzahl: ab etwa 100 mg/l Hydrogencarbonat in der Wasseranalyse ist pH-Drift kein Zufall mehr, sondern Programm.
3. Ballast sammelt sich im Substrat
Die Pflanze nimmt sich, was sie braucht. Natrium, Chlorid, überschüssiges Sulfat und Calcium bleiben liegen. In Erde puffert das der Boden eine Weile weg. In Coco und Steinwolle nicht – da liegt alles offen in der Porenlösung. Und genau da wird es beim Crop Steering richtig ungemütlich: Der Dryback konzentriert die Porenlösung, jeder Schuss bringt neuen Ballast mit, der Drain spült einen Teil raus, aber mit 0,8 aus der Leitung steigt die EC im Block schneller, als du sie steuern kannst.
Mein Controller misst die Poren-EC direkt im Block. Er sieht Salz – er sieht nicht, ob das Salz Dünger ist oder Leitungswasser. Wer mit hartem Wasser steuert, steuert nach e …
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