Lux, PPFD, DLI: welche Lichtzahl wirklich zählt
Lampenhersteller werben mit Watt und Lumen – davon hat die Pflanze nichts. Hier erfährst du, welche der drei Lichtzahlen über deinen Ertrag entscheidet, wie du…
Auf jeder Lampenverpackung stehen Watt und Lumen. Beide Zahlen sagen dir, was die Lampe aus der Steckdose zieht und wie hell sie für dein Auge aussieht. Was davon unten bei der Pflanze ankommt und was sie damit anfangen kann, steht da nicht. Deshalb kaufen viele Leute eine stärkere Lampe und ernten trotzdem nicht mehr. 🌱
Drei Zahlen räumen das auf – und nur eine davon entscheidet am Ende über den Ertrag.
Lux: die Zahl fürs Auge
Lux misst Helligkeit so, wie ein Mensch sie wahrnimmt. Unser Auge ist auf Grün am empfindlichsten, deshalb ist die Messung auf Grün gewichtet. Für die Photosynthese ist ausgerechnet Grün aber der am wenigsten interessante Bereich – Pflanzen arbeiten vor allem mit Rot und Blau.
Das Ergebnis: Eine sattgrün wirkende Lampe kann bei viel Lux wenig Nutzlicht liefern, eine rot-blau wirkende umgekehrt. Lux ist trotzdem nicht wertlos – jedes Messgerät und jede Handy-App spuckt diesen Wert aus, und mit dem passenden Faktor kommst du damit erstaunlich weit. Es gibt inzwischen aber einen besseren Weg, dazu gleich mehr.
PPFD: was tatsächlich unten ankommt
PPFD zählt die nutzbaren Lichtteilchen, die pro Sekunde auf einer Fläche landen – nur die im Bereich 400 bis 700 Nanometer, den die Pflanze verwerten kann. Das ist die ehrliche Zahl für "wie viel Licht kommt hier an".
Der Haken: PPFD ist eine Momentaufnahme an genau einem Punkt . Direkt unter der Lampenmitte misst du oft doppelt so viel wie in der Ecke des Zelts. Eine einzelne PPFD-Zahl beschreibt deshalb noch keinen Grow.
DLI: die Zahl, die über den Ertrag entscheidet
DLI ist die Lichtmenge, die über den ganzen Tag zusammenkommt: PPFD mal Leuchtdauer. Und das ist die Zahl, auf die es ankommt.
Stell es dir wie Regen vor. PPFD ist, wie stark es gerade schüttet. DLI ist, wie viel am Abend im Eimer steht. Ein kurzer Wolkenbruch und ein ruhiger Landregen über den Tag können denselben Eimer füllen – genau deshalb kann eine schwächere Lampe mit längerer Leuchtdauer dieselbe Lichtmenge liefern wie eine starke mit kurzer.
Praktisch heißt das: In der Vegi ist die Leuchtdauer dein billigster Hebel. Du kommst mit weniger Lampenleistung auf denselben DLI, wenn du länger beleuchtest. In der Blüte fällt dieser Hebel weg, weil die 12 Stunden Dunkelheit gesetzt sind – dort geht es nur noch über die Intensität.
Warum die Umrechnung eine Schätzung bleibt
Der Rechner rechnet Lux in PPFD um, indem er mit einem Faktor multipliziert. Dieser Faktor hängt vom Spektrum ab – deshalb musst du deine Lichtquelle auswählen:
- LED Full (Vollspektrum): 0,020
- LED Weiß: 0,018
- HPS: 0,013
- MH: 0,016
- CFL: 0,014
- Sonne: 0,018
Wähl hier falsch, und du liegst zwischen HPS und LED um über 50 % daneben. Und selbst mit der richtigen Auswahl bleibt es eine Näherung, weil jede Lampe ihr eigenes Spektrum hat.
Falle beim Kauf: Wenn ein billiges Luxmeter mit einem "PAR-Modus" wirbt, misst es in aller Regel trotzdem nur Lux und rechnet intern mit genau so einem festen Faktor. Du bekommst dasselbe Ergebnis wie hier im Rechner – nur hast du dafür bezahlt. Eine echte PPFD-Messung braucht einen Quantensensor mit kosinuskorrigiertem Kopf.
Miss lieber gleich PPFD: die App-Lösung
Die Umrechnung über Lux ist der alte Weg. Es gibt inzwischen Apps, die dir PPFD und DLI direkt ausgeben – die bekannteste ist Photone (Grow Light Meter), verfügbar für iPhone und Android.
Der Unterschied zum simplen Luxmeter: Photone rechnet nicht einfach eine Lux-Zahl hoch, sondern wertet das Bild deiner Kamera aus und ist für dein konkretes Handymodell vorkalibriert . Entwickelt wurde die App nach dem Messstandard ISO/CIE 19476. Du wählst deine Lichtquelle aus, bekommst PPFD, DLI, Lichtfarbe und auf Wunsch sogar ePAR mit Dunkelrot, und kannst dir Heatmaps über deine Fläche legen.
Wichtig – ohne Diffusor ist die Messung wertlos. Du brauchst ein Blatt weißes Druckerpapier über der Kamera, genau so, wie die Entwickler es beschreiben. Das streut das Licht gleichmäßig auf den Sensor. Wer ohne misst, bekommt Zufallszahlen und wundert sich.
Die App ist kostenlos nutzbar, für den vollen Funktionsumfang gibt es eine Bezahlversion.
Und die ehrliche Einordnung dazu: Es bleibt ein Handysensor, kein Laborgerät. Für den Heimgrow ist das mehr als genau genug – wichtig ist nur, dass du immer gleich misst : dasselbe Handy, derselbe Diffusor, dieselbe Lichtquellen-Einstellung. Dann sind deine Werte untereinander vergleichbar, und genau darauf kommt es beim Growen an.
Vorsicht bei Apps, die nur "PAR" draufschreiben. Wenn eine App keinen Diffusor verlangt und deine Lichtquelle nicht kennt, misst sie in aller Regel schlicht Lux und multipliziert intern mit einem festen Faktor – dasselbe, was der Rechner hier auch macht, nur ohne dass du es siehst.
So misst du richtig
Egal ob App oder Luxmeter, an der Vorgehensweise ändert sich nichts:
1. Halt das Gerät auf Höhe der Blütenspitzen , waagerecht, Sensor nach oben zur Lampe.
2. Steh nicht im Licht. Dein eigener Schatten ist der häufigste Messfehler …
Lux, PPFD, DLI: welche Lichtzahl wirklich zählt