Die richtige Topfgröße: so groß, wie du gießen kannst
Überall liest du: große Pflanze, großer Topf. Meine 1,50-m-Pflanze steht in 3 Litern Coco. Hier steht, warum die Topfgröße vom Gießen abhängt und nicht von der…
Frag zehn Grower nach der richtigen Topfgröße, und neun schauen zuerst auf die Pflanze: Wie groß soll sie werden? Danach wird der Topf ausgesucht, im Zweifel eine Nummer größer. Meine Pflanze ist gerade 1,50 Meter hoch – und steht in 3 Litern Coco . Das funktioniert, weil die Topfgröße an etwas ganz anderem hängt: daran, wie oft du gießen kannst. Hier steht meine Regel dafür, woran du einen zu kleinen und einen zu großen Topf erkennst, wie du die passende Größe für dein Setup in einer Woche findest – und warum ich keine Stofftöpfe nehme. Vorweg: Es geht hier um mineralischen Dünger, bei Bio ist einiges anders – dazu ganz unten mehr. 🌱
Was der Topf wirklich macht
Ein Topf ist vor allem eins: ein Vorrat an Wasser und Nährstoffen. Seine Größe entscheidet, wie lange die Pflanze ohne dich auskommt. Je größer der Topf, desto länger hält der Vorrat – und desto seltener musst du gießen.
Die meisten Topf-Tabellen im Netz fragen nur, wie groß die Pflanze werden soll, und leiten daraus die Liter ab. Das ist gut gemeint, aber es fehlt die wichtigste Frage: Wer gießt wie oft? Bekommen die Wurzeln oft genug frische Nährlösung, kommt die Pflanze mit erstaunlich wenig Substrat aus – siehe meine 3 Liter. Bekommen sie das nicht, hilft auch kein Riesentopf, der tagelang nass bleibt.
Bringt ein größerer Topf mehr Ertrag?
Eine große Auswertung von 65 Studien kam zu dem Ergebnis: Doppelt so viel Topfvolumen brachte im Schnitt 43 % mehr Biomasse. Klingt eindeutig. Ist es aber nicht, sobald du automatisch bewässerst.
Meine GG4 (Gorilla Glue 4) hat im 3-Liter-Topf 400 g gebracht. Rechnet man die 43 % stur um, hätte sie in 6 Litern rund 570 g bringen müssen. Das wäre niemals so viel mehr geworden. Warum die Zahl für so einen Grow nicht passt:
1. Biomasse ist nicht Ertrag. In der Auswertung zählt die Biomasse der ganzen Pflanze, nicht der Blütenertrag.
2. Häufiges Gießen macht viel vom kleinen Topf wett. In einem japanischen Versuch wuchsen Chrysanthemen in kleinen Wurzelräumen schlechter – aber deutlich weniger schlecht, wenn sie achtmal am Tag statt einmal Nährlösung bekamen. Mit acht Gießgängen wuchsen sie sogar genauso gut oder besser als Pflanzen mit dreimal so viel Wurzelraum , die nur einmal am Tag gegossen wurden.
3. Bei Cannabis zeigt eine Auswertung eher das Gegenteil. Eine Auswertung von Cannabis-Studien aus 2019 fand beim THC-Ertrag pro Quadratmeter keinen Vorteil für größere Töpfe: Mit 11 statt 5 Litern sank er sogar, am deutlichsten bei der Sorte White Widow.
Mit automatischer Bewässerung und Crop Steering zählt das Volumen deshalb so nicht mehr. Wenn mehrmals am Tag frische Nährlösung kommt, ist der Topf kein Vorratsspeicher mehr, sondern ein Werkzeug: Über die Gießgänge und das Abtrocknen dazwischen steuerst du die Pflanze. Dann entscheidet nicht die Literzahl, sondern wie gut du steuerst.
Ehrlich dazu: Ganz verschwindet der Topf-Effekt auch mit Automatik nicht. Im Chrysanthemen-Versuch wuchsen die Pflanzen im kleinsten Wurzelraum auch mit acht Gießgängen schwächer als im größten, und keiner der Versuche lief mit Cannabis unter Crop Steering. Deshalb sage ich nicht „so klein wie möglich“, sondern „so groß, wie du gießen kannst“ – und mit Automatik kannst du eben sehr oft gießen.
Meine Regel: so groß, wie du gießen kannst
Ohne automatische Bewässerung gilt bei mir:
- 🟠 Mehrmals am Tag nötig: zu klein zum Handgießen. Entweder eine Nummer größer – oder eine Bewässerung, die das für dich übernimmt.
- 🟢 Einmal am Tag: ideal. Die Pflanze bekommt jeden Tag frische Nährlösung, und du schaust jeden Tag nach ihr. Probleme siehst du, bevor sie groß werden.
- 🟡 Alle zwei bis drei Tage: okay. Der Kompromiss, wenn du nicht jeden Tag Zeit hast. Dann darf der Topf größer sein.
- 🔴 Länger als drei Tage: zu groß. Das Substrat bleibt zu lange nass. Und wenn du es nicht mal alle drei Tage schaffst: nicht noch größer, sondern automatisch bewässern.
Welche Literzahl das bei dir ist, kann ich dir nicht pauschal sagen – das hängt von deinem Setup ab, dazu gleich mehr. Aber du kannst es in einer Woche selbst herausfinden.
Warum ein größerer Topf nicht die Lösung ist
Wer wenig Zeit zum Gießen hat, greift gern zum größten Topf im Laden. Das geht aus mehreren Gründen schief.
1. Das Substrat bleibt zu lange nass. Ein großer Topf, in dem noch kleine Wurzeln sitzen, trocknet tagelang nicht ab. Den Wurzeln fehlt Luft, Trauermücken und Wurzelfäule haben leichtes Spiel.
2. Seltener frische Nährlösung. Zwischen zwei Gießgängen zieht die Pflanze Wasser, die Salze bleiben im Substrat. Je länger die Pause, desto weiter kann sich der EC im Topf von dem entfernen, was du angemischt hast.
3. Weniger Kontrolle. Wer alle fünf Tage gießt, misst auch nur alle fünf Tage. Ein Problem mit pH oder EC fällt dir dann Tage später auf als nötig.
4. Mehr Gewicht, mehr Platz, mehr Kosten. Ein großer, nasser Topf ist schwer, lässt sich kaum bewegen und nimmt Platz im Zelt, der woanders fehlt. Und das Substrat dafür kaufst du bei je …
Die richtige Topfgröße: so groß, wie du gießen kannst